Newsletter 06/2022

Liebe Schachdrachen, 
Bericht vom nachgeholten 3. Spieltag in der Landesklasse Ost am 3. April 2022. Leider musste Schöneck die Begegnung absagen, dadurch gab es einen kampflosen 8:0 Erfolg unserer ersten Mannschaft. Am Ende dieses Spieltags bedeutete das Tabellenplatz 2 mit einem Mannschaftspunkt Rückstand hinter Dietzenbach 1.

Bericht vom 6. Spieltag in der Landesklasse Ost am 24. April 2022

SV Oberursel 3 – Schachdrachen 1
Nicht nur unsere Gegner haben in der (Nach!?-)Corona-Zeit Probleme, ihre Mannschaften zu besetzen. Diesmal erwischte es unsere erste Mannschaft, die den Mannschaftskampf in Oberursel nur zu siebt bestreiten konnte. Nachdem ein Brett zudem recht frühzeitig verloren ging, kämpften wir relativ schnell mit dem Rücken zur Wand. Es dauerte lange, bis es an den verbliebenen 6 Brettern weitere Ergebnisse gab. Sven spielte Remis und bleibt damit weiterhin verlustpunktfrei. Unser Mannschaftsführer Oliver ging mit gutem Beispiel voran und trug sich selbst einen Sieg in den Spielberichtsbogen ein. Nachdem eine weitere Partie für uns verloren ging, kam eine wirklich sehenswerte Kombination von Bernhard auf das Brett. Er spielte gegen CM Gries. „CM“ steht für „Candidate Master“, das ist ein vom Weltschachbund FIDE in 2002 eingeführter Titel unterhalb des FM (FIDE-Meister). Keine Laufkundschaft also…

Nachdem Bernhard seit Beginn der Partie besser stand, ergab sich nach 31…g4 von Schwarz folgende Stellung:

Die siegbringende Kombination muss man erst einmal finden, was Bernhard gelang. Die Partie war nach nur wenigen Zügen entschieden:

32. exf5!! Weiß opfert völlig zu Recht seinen Läufer.

Nach 32… gxf3 wähnte sich Schwarz womöglich auf der Siegerstraße…

Weiß hat eine Figur weniger, aber das ist kein Problem, da er auch noch seine Dame opfern kann…

33. Dxg7!!  Kxg7

34. Txe7+  Df7

35. Txf7+   Kxf7

Und spätestens nach 36. g4 gab es nichts mehr zu diskutieren. Glückwunsch! Da ist man doch froh, dass der Bernhard in unserer Mannschaft spielt und nicht in Oberursel…

Damit waren nur noch die Partien von Jonas und mir am Laufen und unser Mannschaftsführer stellte fest: „Ihr müsst anderthalb Punkte holen!“

Jonas Partie endete nach dreimaliger Stellungswiederholung noch nicht voll ausgekämpft mit Remis, für die Beobachter gefühlt eher glücklich für uns, aber ohne weitergehende Analyse wohl nicht abschließend beurteilbar. Nach wechselhaftem Partieverlauf konnte ich am zweiten Brett den letzten Punkt zum 4:4 Endstand beisteuern.

Wir waren uns alle einig, dass wir uns über das Unentschieden nach diesem Verlauf nicht beschweren können. Unsere erste Mannschaft ist nun mit sieben Mannschaftspunkten geteilter Tabellenzweiter.

Viele Grüße

Christian

Auch Bernhard Weber hat uns einen Bericht zukommen lassen:

10. Schach-Seniorencup am Tegernsee

(von Bernhard Weber)

Mein erstes Senioren-Schachturnier sollte der Schach-Seniorencup in Bad Wiessee im Jahr 2020 sein. Dann kam Corona und das Turnier fiel aus. In 2021 ein neuer Anlauf. Es wurde ein neuer Spielort in Rottach-Egern gefunden. Ich meldete mich erneut an. Dann wurde das Turnier vom Frühjahr in den Oktober verschoben und dieser Termin ging bei mir nicht.

Im dritten Anlauf hat es nun in 2022 geklappt. Der Spielort, das Seeforum direkt am Tegernsee, in Rottach-Egern wurde beibehalten. Ich fand eine kleine bezahlbare Ferienwohnung, eine Viertelstunde Fußweg vom Seeforum entfernt.

Die Anfahrt erfolgte bereits am Freitag, 25. März. Am Samstag, 26. März war am Vormittag die Registrierung und die erste Runde war dann für 15 Uhr vorgesehen. Die weiteren acht Runden bis zum 3. April begannen jeweils um 10 Uhr.

Ich wurde am Samstagmorgen um 6:04 Uhr von der aufgehenden Sonne über meinem Ostbalkon geweckt.

Das Wochenende hielt, was der Sonnenaufgang versprach. Strahlender Sonnenschein und fast 20 °C luden zum Wandern ein.

Runde 1 und 2 – Das erste Wochenende

Runde 1 begann mit einem locker herausgespielten Sieg. Ein schwerer positioneller Fehler meines Gegners ließ meinen Turm auf die 7. Reihe eindringen und das kostete Material.

Mein Gegner spielte die verlorene Stellung noch lange weiter. Ich verstand es zunächst nicht. Dann kam ein Bekannter von ihm an unser Brett und meinte, er sei jetzt fertig und man könne gehen – worauf mein Gegner sofort aufgab. Das erschien mir jetzt „seniorenlogisch“ zu sein und ich fand es vollkommen in Ordnung.

Runde 2: Sonntagmorgen wurde ich dann um 7:04 Uhr von der aufgehenden Sonne geweckt. Hatte die Sonne verschlafen? Nein – es wurde in der Nacht auf Sommerzeit umgestellt. Gefühlt ging es also bereits um 9 Uhr los. Das fand ich nicht so lustig.

Ich bekam ein frühes Remisangebot und nahm es an. Für den Sonntag war noch herrliches Wetter angekündigt. Und so war Zeit für eine Wanderung zum Wallberg.

Runde 3 bis 7 – Licht und Schatten

Runde 3 war ein ausgekämpftes Remis. Das war in Ordnung.

Runde 4 war nicht mein Tag. Die Eröffnung war ungewöhnlich und die ganze Partie kompliziert. Zwischendrin hatte ich schon Vorteile für mich übersehen und zu später Stunde mit wenig Bedenkzeit verlor ich dann völlig den Faden und damit die Partie.

Runde 5 bescherte mir einen Gegner, der bereits in der Eröffnung strauchelte. Das kostete ihn einen Zentralbauern und am Ende reichte das für einen Sieg im Endspiel.

Runde 6 endete mit Remis. Ich hatte ein korrektes Figurenopfer gebracht, die stärkste Fortsetzung aber nicht gefunden, so dass nach 20 Zügen bereits das meiste vom Brett und das Material wieder ausgeglichen war.

Runde 7 hätte nach dem Verlauf der Partie Remis ausgehen sollen. Wenn ich dann nicht auf die Idee gekommen wäre, meinem Gegner eine Falle stellen zu wollen. „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ lautet ein Sprichwort. Es sollte recht behalten.

Nach der damit zweiten Niederlage war ich nun nach 7 Runden bei 50%. Nicht unbedingt das, was man mit Startplatz 30 von 113 Teilnehmern erwartet.

Mit diesen Ergebnissen kam ich aber auch nicht so recht nach vorne an die Spitzenbretter. Was vielleicht auch nicht so verkehrt war. Dort hatte es nämlich einen kleinen Corona-Ausbruch gegeben und so mussten sich einige, die um den Sieg mitspielten, ins Quarantäne-Aus begeben. Unter anderem erwischte es auch den Titelverteidiger aus dem Vorjahr.

Runde 8 und 9 – Schnee und Siege

Am zweiten Wochenende hatte es nun der angekündigte Schnee nach Rottach-Egern geschafft. Mit dem Schnee kamen die Siege. Bei mir schienen die anfangs vielleicht etwas eingerosteten Schachhirnwindungen vom Rost befreit und frisch geölt zu sein.

Runde 8 war meine beste Partie. Mein Gegner spielte vermutlich eher unbeabsichtigt ein Gambit. Ich wusste von der Variante nur, dass man den Gambitbauern dabei nehmen verteidigen kann. Das tat ich dann nach Kräften, musste aber über die Stunden schon die ein oder andere Attacke meines Gegners abwehren. Nach über 5 Stunden hatte es mein Mehr- und Freibauer dann geschafft. Seine Umwandlung wäre nur noch durch Materialverlust zu verhindern gewesen und mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr gab mein Gegner auf.

Runde 9 brachte dann den zweiten Sieg in Folge. Für eine Qualität bekam ich drei verbundene Freibauern, die dann nicht mehr aufzuhalten waren.

Fazit

Das Turnier beendete ich mit 5,5 Punkten aus 9 Runden auf Platz 27, also etwas besser als Startrang. Da der Gegnerschnitt dabei nur in den 1900ern lag, kostet mich das 16 ELO und 18 DWZ. Nach der langen Turnierpause (4 Jahre) bin ich damit aber vollkommen zufrieden.

Hier noch die Endphase meiner Partie mit Schwarz in Runde 8:

Automatisch generierte Beschreibung Matthias Schmidt – Bernhard Weber, Stellung nach 36. Tf4-f1
  Der weiße Turm war gerade nach f1 gezogen und drohte nun unangenehm Td1 mit Fesselung des Springers. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht zu dem Turmopfer auf f7 (statt nach f1 zu ziehen). Dxf7 wäre dann sofortiger Verlust nach Lg2-d5 mit Damengewinn. Kxf7 Ld5+ nebst Dxd3 ist dann „nur Qualitätsverlust“ – der luftig stehende schwarze König könnte aber Schwindelchancen bieten. 36. – b4. Erst mal den Freibauern sichern und der Angriff auf die Dame verhindert sofortiges Td1 37. Df6 De6. Geht aus der d-Linie und Damentausch wäre vorteilhaft für Schwarz. 38. Dg5 De5 39. Dg4 Tf8. Prophylaxe zum Ersten. Der auf c8 angegriffene Turm zieht sich nach f8 zurück um Tricks auf f7 vorzubeugen. 40. De2 Dc3 41. Le4 Se5. Prophylaxe zum Zweiten. Auch Se5 deckt f7.  
  46. Kg2? Dieser Fehler vereinfacht nun die Arbeit von Schwarz. 46. – Dc2! Das ging bisher nicht, weil Weiß nach 47. Dxc2 bxc2 48. Tc1 Sd3 49. Txc2 den Bauern gewinnen würde. Mit dem König auf g2 folgt nun jedoch die Springergabel 49. Se1+ mit Gewinn des Turms. (siehe Analysendiagramm links)  
  47. Tb2 Dxe2+ 48. Txe2 Tb8 49. Tb2 Sd3 50. Tb1 b2 51. Le4 Sc1 52. Kf1 Sa2 53. Te1 Sc3 54. Lb1 Ta8 Weiß gab auf. Er kann Ta1 nicht verhindern und danach ist die Umwandlung des b-Bauern nur noch durch Hergabe einer Figur aufzuhalten.
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